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21.01.12

Ein weiter Weg bis zur egalitären Arbeitsteilung

Alle Menschen sind in gewissen Lebensphasen auf die Unterstützung, Begleitung und Fürsorge anderer angewiesen. Diese unschätzbare und unverzichtbare Arbeit wird aber – auch in einer Gesellschaft, die sich vermehrt über die Gleichstellung definieren möchte - nach wie vor primär von Frauen erbracht und erfolgt vorwiegend im privaten Bereich. Diese Arbeit ist meist unbezahlt, somit auch sozial schlecht abgesichert und von der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Aus gleichstellungspolitischer und gesellschaftspolitischer Sicht ist diese Situation sehr unbefriedigend.

Unsere älterwerdende Gesellschaft steht vor grösseren Herausforderungen, denn eine bedeutende Mehrheit aller Frauen ist heute erwerbstätig. Sie sichern dadurch ihre eigene wirtschaftliche Existenz sowie jene ihrer Kinder, ihrer Familie, sofern sie sich für eine Lebensbiographie mit Kindern entschieden haben. Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit zwingt sie aber zum Spagat, zu Entscheidungen, die für sie schmerzhafte wirtschaftliche Folgen haben können. Wenn die Betreuung des Kindes oder die Pflege älterer Menschen im Vordergrund stehen, dann sind Paare herausgefordert, sie müssen sich mit der inner- und ausserhäuslichen Aufgabenteilung auseinandersetzen. Oft werden aber die mittel- und langfristigen Folgen der Entscheidungen zu wenig berücksichtigt, erwähnt seien unter anderem: die Schwierigkeit des Wiedereinstiegs, die schlechter soziale Absicherung, die Renteneinbusse bei einer gezielten Reduktion der Erwerbsarbeit für die Übernahme unbezahlter Pflegearbeit bis hin zu einer gewissen Altersarmut und gesellschaftlicher Abhängigkeit.

Obschon Frauen heute gut ausgebildet sind und gute berufliche Voraussetzungen haben, bleibt das erzielte Einkommen vielfach tiefer als jenes der Männer mit gleicher Ausbildung. In der Verteilung von Haus-, Betreuungs-, Pflege- und Erwerbsarbeit spielen diese Unterschiede eine ausschlaggebende Rolle. Die tieferen Verdienstaussichten der Frauen haben zur Folge, dass das Engagement der Männer und Väter in Haus- und Familienarbeit in den letzten Jahren kaum zugenommen hat, und die Frauen ihre Erwerbsarbeit zugunsten der Familienarbeit reduzieren. Trotz Förderung des Vereinbarkeitsgedanken, trotz formuliertem Wunsch der Männer, mehr Zeit für Familie und Privates zu haben, ist unsere Gesellschaft noch weit von einer egalitären Arbeitsteilung entfernt, dies obschon die gesellschaftliche Akzeptanz oder gar Selbstverständlichkeit der Berufstätigkeit der Frauen und Mütter vorhanden ist. Wir müssen eine Gleichstellungspolitik fördern, die unter dem Leitgedanken faire Chancen für Frauen und Männer in allen Lebensbereichen der Gesellschaft, also auch im Erwerbsleben und in der wirtschaftlichen Absicherung des eigenen Alters steht. Dabei geht es sowohl um Lohngleichheit, um Anerkennung der erbrachten Betreuungsarbeit, um gleiche Karrierechancen wie auch um Schutz vor Altersarmut. Unsere Gesellschaft muss eine Politik fördern, die bei den Ursachen ungleicher Chancen ansetzt.

Gleichstellung darf heute nicht länger nur aus der Perspektive der Frauen betrachtet werden, denn angesichts der wachsenden Zahl kinderloser Männer und Frauen, werden auch Männer in Zukunft vermehrt Pflegearbeit, also Care-Arbeit, übernehmen müssen. Es sind daher neue männliche Rollenbilder erforderlich. Diese können jedoch nur im Zusammenspiel mit den Unternehmen gefördert werden. Leitende Angestellte prägen das Bild und spielen eine bedeutende Rolle, wenn es darum geht, Männer, die eine egalitäre Aufgabenteilung wünschen, aktiv in ihrem Entscheid zu unterstützen und ihnen Zeit dafür zur Verfügung zu stellen.

Kontakt

Lucrezia Meier-Schatz
Nationalrätin (SG)
Mobil: 079 639 14 77

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Thema:
Familie


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Stand: 19. April 2014 09:34:04 PM