08.03.2015 / Artikel / Bildung & Arbeit /

Babette Siggs Rede zur Lohngleichheit

Geschätzte Damen und Herren

Es kommt nicht oft vor, dass sich bürgerliche und liberale Frauen einer Demonstration anschliessen, sind wir doch überzeugt, dass Frauen bereits sehr viel erreicht haben. Ja, wir haben viel erreicht, aber Wesentliches, nämlich die Lohngleichheit, eben noch nicht.

Lohngleichheit ist keine abstruse Forderung von Frauenrechtlerinnen. Lohngleichheit geht alle erwerbstätigen Frauen an, von ganz links bis ganz rechts! Lohndiskriminierung hat auch für bürgerliche Frauen Konsequenzen, denken wir vor allem an die finanziellen Auswirkungen im Alter. Auch wir bürgerlichen und liberalen Frauen wehren uns mit aller Kraft gegen Lohndiskriminierung. Auch wir bürgerlichen und liberalen Frauen verlieren langsam, aber sicher die Geduld.

Lassen Sie es mich sagen: Lohnungleichheit ist kein Kavaliersdelikt. Lohngleichheit, meine Damen und Herren, ist auch keine Goodwillaktion den Frauen gegenüber. Sie ist kein Zückerli, sondern Gesetz. Denn Lohnungleichheit missachtet unsere Bundesverfassung. Ja, unsere Verfassung sieht seit über dreissig Jahren einen entsprechenden Artikel vor – und nicht nur das. Auch das Gleichstellungsgesetz verpflichtet seit zwanzig Jahren alle Arbeitgeber, Lohndiskriminierungen zu beseitigen.

Und so ist mehr als beschämend, dass wir heute, 2015, noch immer um eine flächendeckende Einführung kämpfen müssen.

Staatliche Lohnkontrollen sind für uns bürgerliche Frauen ein Horrorszenario. Aber die Schonzeit für Unternehmen, welche die die Verantwortung nicht wahrgenommen haben, ist vorbei. Der Lohngleichheitsdialog kann als gescheitert betrachtet werden. Wir unterstützen den Vorstoss, der eine „Kommission für Lohngleichheit“ fordert.

Wie brennend die Forderung nach Lohngleichheit ist, zeigt die Präsenz der unterschiedlichsten Organisationen am heutigen Tag.

Frauen von rechts und links, zusammen sind wir stark!

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